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Kongressbericht Europerio 8: 3. – 6. Juni 2015 in London

Mittwoch, 21 Oktober 2015

Europerio 8: 3. – 6. Juni 2015 in London

Maurice Rütters, Bernadette Pretzl

Die Erwartungen an die diesjährige Europerio 8 in London waren nach dem großartigen Erfolg der Europerio 7 in Wien im Jahr 2012 hoch. In der Zeit vom 3. bis  6. Juni reisten ungefähr 9700 Menschen aus über 115 Ländern nach London, um an einem der bedeutendsten Kongresse der parodontologischen Fachwelt teilzunehmen. Mit über 100 Vorträgen im Hauptprogramm, der Präsentation aktueller Forschungsergebnisse in wissenschaftlichen Kurzvorträgen im Rahmen der Research Sessions und 1333 Posterpräsentationen wurde den Teilnehmern ein abwechslungsreiches, interessantes und wissenschaftlich informatives Programm im ExCel Center London geboten, über das im vorliegenden Artikel berichtet wird.

Eröffnet wurde der Kongress am Mittwochabend mit einer wunderbaren Eröffnungszeremonie, in der die Kongressvorsitzenden Prof. Francis Hughes und Prof. Mario Sanz einleitende Worte an die Teilnehmer richteten und auf die kommenden Tage einstimmten. Vertreter aller teilnehmenden Nationen füllten die Bühne mit den ihnen entsprechenden Länderflaggen. Anschließend wurde im Rahmen eines Umtrunks die Industrieausstellung eröffnet. Zuvor gab es bereits die Premiere des Films "The sound of periodontitis", in dem 3 Patienten von ihren Erfahrungen und ihrem Umgang mit den Erkrankungen Parodontitis und Periimplantitis berichteten.

Das Hauptprogramm begann am Donnerstagmorgen. Während des gesamten Kongresses konnte man zwischen 3 Themenkomplexen wählen. Diese waren "Periodontology", "Implant dentistry" und "Practical Periodontics for the General practitioner and Dental Hygienist". Der erste Hauptvortrag im Main Auditorium war: "The choice of the surgical technique" von den Referenten Dr. Rino Burkhardt (Universität Zürich), Prof. Massimo De Sanctis (Universität Siena) und Dr. Otto Zuhr (München). Sie beschrieben ihr Vorgehen sowie die aktuelle Literatur zum Thema der Rezessionsdeckung. Dabei betonte Dr. Zuhr, dass ein besseres Verständnis des eigenen Gewebes wichtig sei für eine noch bessere Vorhersagbarkeit mukogingivaler Eingriffe. In den darauffolgenden Vorträgen wurden diese Themen weiter von Prof. Goldstein (Israel), Prof. Cairo (Florenz) und Dr. Zabalegui (Spanien) erläutert. Diese schilderten mit interessanten klinischen Bildern und Kurzfilmen das Vorgehen mittels koronalem Verschiebelappen und der Tunneltechnik.

Im Vortrag "Critical factors in the surgical treatment of periimplantitis" stellte Prof. Meyle (Gießen) die aktuelle Evidenz in mehreren Reviews zur Periimplantitistherapie dar. Prof. Romeo (Italien) veranschaulichte, dass es das perfekte chirurgische Rezept gegen Periimplantitis noch nicht gebe und Prof. Renvert (Schweden) referierte über Versuche regenerativer Periimplantitis-Therapie, betonte jedoch auch, dass keine Methode bisher wirklich vorhersagbar sei. Des Weiteren wurden u.a. Vorträge zu den Themen "Determinants of Disease Susceptibility" von Prof. Papapanou (USA), PD Bostanci (Schweiz) und Prof. Houri Haddad (Israel) , zum Thema "The Host Response" von Prof. Shapira (Israel), Prof. Chapple (Großbritannien) und Prof. Hajishengalis (USA) sowie zum Thema "Effective Risk Factor Management in Periodontology" von Prof. Jepsen (Bonn), Prof. Ramseier (Schweiz) und Prof. Heasmen (Großbritannien) gehalten. Nach dem Hauptprogramm lud die Kongressparty mit Live-Band zu einem sehr geselligen Zusammentreffen mit Kollegen ein. Auch die DGParo lud zu einem Empfang in ein gemütliches Weinlokal nahe der Tagungsstätte ein, bei dem man den Kongresstag ausklingen lassen konnte.

Während der nächsten beiden Tage folgten weitere Fachvorträge, wie "Current State of the Art in Periodontal Regeneration“, bei dem Prof. Machtei (Israel) in das Thema mit eigenen Fallbeispielen einleitete. Prof. Cortellini (Italien) referierte zunächst über die Entwicklung der regenerativen Parodontaltherapie und zeigte die sehr guten Ergebnisse mit der von ihm entwickelten modifizierten Minimal Invasive Surgical Technique (M-MIST). Des Weiteren stellte er Studien mit Daten über 20 Jahre Nachsorge vor. Anschließend beleuchtete Prof. Eickholz (Frankfurt) das Thema „Regenerative Furkationstherapie“. Die Evidenz zeige, dass regeneratives Vorgehen bei Klasse II Furkationen möglich ist und eine Überführung in Klasse I die Prognose des Zahnes deutlich verbessere. Zudem funktioniere sie an Unterkiefermolaren deutlich besser als an Oberkiefermolaren. Desweitern sei die regenerative Therapie dem solitär offenen Vorgehen ohne Membran oder Emdogain überlegen. Es folgte die Vortragsrunde zum Thema "Innovative and emerging technologies for periodontal Regneration" mit Prof. Sculean (Schweiz), Prof. McGuire (USA) und Prof. Bartold (Österreich). Nachdem Prof. Sculean die verschiedenen neuesten Methoden der Regeneration kurz vorgestellt hatte, präsentierte Prof. McGuire Alternativen zur konventionellen Rezessionsdeckung. Er zeigte verschiedene xenogene Materialien und das Vorgehen mit Wachstumsfaktoren. Goldstandard sei bis jetzt jedoch immer noch das Bindegewebstransplantat. Zudem gab er einen Ausblick auf die Regeneration von Papillen, welche er derzeit untersuche, jedoch noch keine verlässlichen Daten vorstellen könne. Prof. Bartold demonstrierte den aktuellen Stand der Wissenschaft hinsichtlich parodontaler Stammzelltherapie und stellte fest, dass diese im Tierversuch zwar bereits schon funktioniere, auf den Menschen jedoch noch nicht übertragbar sei. Dafür bedürfe es noch weiterer Forschung.

Die nachfolgende Session mit Prof. Hürzeler (München), Prof. Schwarz (Düsseldorf) und Prof. Sailer (Schweiz) drehte sich um das Thema "Aesthetic outcomes in Implant Surgery: Chosing the right device". Hierbei wurde zum einen von Prof. Schwarz über die richtige Positionierung des Implantats hinsichtlich des krestalen Verlaufs gesprochen. Dabei ergebe eine subkrestale Positionierung maschinell bearbeiteter Anteile eines Implantats immer eine Knochenresorption, wie eigene Versuche zeigten. Prof. Sailer zeigte Ansätze, welche die Rot-Weiß-Ästhetik verbessern könnten. U.a. zeigte sie Versuche mit subgingival pinken Zirkonabutments, welche die Farbe der Gingiva eventuell positiv beeinflussen könnten. Zudem verglich sie geschraubte mit zementierten Restaurationen. Bei Einzelzahnrestaurationen gebe es kaum Unterschiede, bei mehreren ersetzten Zähnen seien hingegen mehr technische Komplikationen bei geschraubten Versorgungen aufgetreten und mehr biologische Komplikationen bei zementierten Versorgungen. Die Langzeitwerte zeigten jedoch gute Ergebnisse für beide Methoden. Auch zum Thema Antibiotika gab es ein Update durch Prof. van Winkelhoff (Niederlande), Prof. Mombelli (Schweiz) und Prof. Herrera (Spanien). Sie erläuterten neueste wissenschaftliche Evidenz, stellten jedoch auch fest, dass es vom einzelnen Individuum abhänge, ob eine adjuvante systemische AB-Therapie sinnvoll sei und für einen langfristigen Effekt gute Mundhygiene, regelmäßige Nachsorge und Rauchabstinenz der Patienten am wichtigsten seien. Des Weiteren wurden auch Vorträge zu den Themengebieten Allgemeinerkrankungen im Zusammenhang mit Parodontitis von namhaften Referenten wie Prof. Kocher (Deutschland) und Prof. Tonetti (Italien) gehalten.

Geschlossen wurde der Kongress am Samstag mit einem Rückblick auf die letzten 25 Jahre des Fachgebiets Parodontologie. Unter der Moderation von Prof. Sanz und Prof. Tonetti wurden Experten unterschiedlicher Gebiete befragt und erläuterten die ihrer Ansicht nach größten Fortschritte des Fachgebietes in den letzten 25 Jahren in kurzen Videobotschaften. Abschließend kamen die "Architekten der Parodontologie" Prof. Niklaus Lang (Schweiz) und Prof. Jan Lindhe (Schweden) auf die Bühne und beschrieben die Entwicklung der Parodontologie aus ihrer Sicht. Zuletzt bedankte sich Prof. Hughes bei allen, die zum Gelingen der Veranstaltung beigetragen haben und es wurde noch ein kurzer Ausblick auf die kommende Europerio9 2018 in Amsterdam durch das zukünftige Organisationskomitee gegeben.

Neben dem Hauptprogramm gab es während der Kongresstage auch eine permanent geöffnete Industrieaustellerfläche, auf der 1400 Firmenvertreter Informationen zu ihren Produkten gaben.

Erstmals wurden in diesem Jahr die Posterpräsentationen neu strukturiert. Anstelle der sonst üblichen Pinnwände, an die man Poster in Papierform anbringen konnte, wurden die Poster erstmals in Form von E-Postern dargeboten. An ungefähr 40 Bildschirmen konnte man sich die Poster nach eigenem Gusto anschauen. Aufgrund der digitalen Präsentationsform, war es zudem erstmals möglich Videos in die Poster zu implementieren. Des Weiteren konnte man über ein Smartpad direkt Nachrichten an den Autor mit etwaigen Fragen senden und sich das Poster via E-Mail herunterladen. Insgesamt kann man sicherlich von einem großen Zugewinn dank dieser Präsentationsform sprechen.

Hinsichtlich der Kongressorganisation kann man den Veranstaltern nur gratulieren. An vielen Stellen standen Helfer, sodass organisatorische Fragen schnell beantwortet werden konnten. Lediglich bei der Registrierung am Donnerstagmorgen gab es aufgrund der hohen Teilnehmerzahl und technischer Probleme Verzögerungen, die jedoch schnell vergessen waren. Besonders lohnend waren Tipps, wie die Anfahrt zum Kongress via Schiff und Seilbahn, welche vom Organisator empfohlen wurden.

Des Weiteren gab es ein EFP-Village. Hier stellten sich die parodontologischen Fachgesellschaft der jeweiligen Länder vor, u.a. hatte auch die DGParo einen Stand. Neben den Informationen kam man auch schnell mit ausländischen Kollegen ins Gespräch und konnte Erfahrungen austauschen.

Als Fazit bleibt zu sagen, dass die EuroPerio 8 der EuroPerio7 in keinster Weise nachstand und die Erwartungen erfüllte beziehungsweise teilweise sogar übertraf. In den 4 Kongresstagen wurden neueste Wissenschaft in einem sehr gut strukturierten Umfeld präsentiert. Erwartungsvoll kann man auf die EuroPerio9, welche 2018 in Amsterdam stattfinden wird, blicken.

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