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Die Klassifikation parodontaler und peri-implantärer Erkrankungen wird unter deutscher Beteiligung von internationalen Experten überarbeitet

Montag, 20 November 2017

Regensburg, 17.11.2017 Vom 09.-11.11.2017 wurde von der European Federation of Periodontology (EFP) und American Academy of Periodontology (AAP) ein World Workshop zur Überarbeitung der Klassifikation der parodontalen und peri-implantären Erkrankungen und Zustände durchgeführt.

Nach nunmehr 18 Jahren wurde die Klassifikation der Parodontalerkrankungen erneut diskutiert und vollständig überarbeitet. Die EFP und AAP haben dazu einen World-Workshop organisiert und hierzu etwa 110 klinisch und wissenschaftlich renommierte Parodontologen aus der ganzen Welt in das „Gleacher Center“ nach Chicago, Illinois (USA), eingeladen. Besonders erfreulich war, dass mit 13 der 47 Teilnehmer seitens der EFP deutschsprachige Parodontologen sehr gut vertreten waren.

Ziel dieses Workshops war es, einen generellen Konsens zu einer neuen und international akzeptierten Klassifikation der parodontalen und peri-implantären Erkrankungen zu erarbeiten. Dazu war im Vorfeld der Tagung eine Serie von insgesamt 16 evidenz-basierten Übersichtsarbeiten zum aktuellen Wissenstand verfasst worden, die einen aufwändigen und intensiven Begutachtungsprozess durchlaufen hatten. Diese Übersichtsarbeiten waren
die Grundlage für die Arbeit in den einzelnen Gruppen in Chicago. In jeder Arbeitsgruppe wurde auf dieser Basis ein Konsensus-Papier für die einzelnen Themenbereiche des Workshops erstellt.

Die neue Klassifikation soll nicht nur in epidemiologischen Fragesellungen Anwendung finden, sondern insbesondere die Anwendbarkeit im Praxisalltag (Festlegung und Abgrenzung von Diagnosen) deutlich verbessern.
 

Die aktuelle Klassifikation stammt aus dem Jahr 1999
Parodontologen arbeiten derzeit weltweit mit einer Klassifikation der parodontalen Erkrankungen aus dem Jahr 1999. Diese Klassifikation ist aber in den vergangenen 18 Jahren durch viele neue wissenschaftliche Erkenntnisse (grundlagenwissenschaftlich sowie klinisch) überholt worden. So erlaubt es beispielsweise die zurzeit noch gültige Klassifikation von 1999 nicht, implantatbezogene Erkrankungen einzuordnen.
Auf Initiative der EFP-Präsidenten Søren Jepsen und Phoebus Mandianos wurde bereits 2014 mit der Planung eines gemeinsamen EFP- und AAPWorld-Workshop zur Überarbeitung der derzeit gültigen Klassifikation begonnen. Die vergangenen zweieinhalb Jahre der Vorbereitung bedeuteten für die Wissenschaftler des Organisationskomitees, die Verfasser der Übersichtsartikel, die Fachgutachter sowie der Mitarbeiter von EFP und AAP einen enormen Arbeits- und Zeitaufwand.

Der Workshop in Chicago fand unter Leitung von Mariano Sanz und Søren Jepsen seitens der EFP sowie Jack Caton und Panos Papapanou seitens der AAP statt. Unterstützt wurden sie durch weitere weltweit ausgewiesene
Parodontologen im Organisationskomitee: Gary Armitage, Tord Berglundh, Iain Chapple und Brian Mealey. Darüber hinaus waren die Herausgeber des Journal of Clinical Periodontology (EFP), Maurizio Tonetti, und Journal of Periodontology (AAP), Ken Kornman, in die Planung und Gestaltung des Workshops maßgeblich eingebunden. Die Ergebnisse des World Workshops werden voraussichtlich im März/April 2018 in beiden Zeitschriften zeitgleich publiziert.

Arbeit in vier Gruppen
Insgesamt widmeten sich vier Arbeitsgruppen unterschiedlichen Themenbereichen zur Beantwortung und Erläuterung spezifischer Fragestellungen und zur Darstellung der neuen Klassifikation.
Hierzu gehörten auch die Definition der „klinischen parodontalen Gesundheit und wieviel Entzündung akzeptabel ist“ genauso wie die Frage, ob „eine Parodontitisdiagnose auf der Basis der Ätiologie anstelle klinischer Symptome möglich ist“, so Gernot Wimmer (Präsident der EFP).

Aufgaben der Arbeitsgruppen
Arbeitsgruppe 1: Gingivale Erkrankungen, Vorsitz: Iain Chapple und Brian Mealey
• Parodontale Gesundheit (Review: Klaus Lang, Mark Bartold);
• Plaque-induzierte gingivale Erkrankungen (Review: Angelo Mariotti, Sinya Murakami);
• Nicht-Plaque-induzierte gingivale Erkrankungen (Review: Palle Holmstrup, Jacqueline Plemons, Jörg Meyle);
• Falldefinitionen und diagnostische Erwägungen (Review: Leonardo Trombelli, Dimitris Tatakis).
Mitglieder der DG PARO in Arbeitsgruppe 1 waren: Henrik Dommisch (Berlin), Peter Eickholz (Frankfurt), Jörg Meyle (Gießen) und Clemens Walter (Basel).

Arbeitsgruppe 2: Parodontitis, Vorsitz: Panos Papapanou und Mariano Sanz,
• Akute Formen der Parodontitis (Review: David Herrera, Magda Feres);• Chronische Parodontitis (Review: Keith Kirkwood, Raul Garcia, Thomas Kocher, Ian Needleman);
• Early-onset Parodontitis (Review: Dan Fine, Bruno Loos);
• Falldefinitionen und diagnostische Erwägungen (Review: Maurizio Tonetti, Ken Kornman, Henry Greenwell).
Mitglieder der DG PARO in Arbeitsgruppe 2 waren: Thomas Dietrich (Birmingham), Thomas Flemmig (Hong Kong), Moritz Kebschull (Bonn) und Thomas Kocher (Greifswald).

Arbeitsgruppe 3: Parodontale Manifestation systemischer Erkrankungen sowie entwicklungsbedingte und erworbene Zustände, Vorsitz: Jack Caton und Søren Jepsen:
• Manifestation systemischer Erkrankungen mit Einfluss auf das Parodont (parodontales Attachment), Falldefinitionen und diagnostische Überlegungen (Review: Jasim Albandar, Christiano Susin, Francis Hughes);
• Entwicklungsbedingte und erworbene Zustände: mukogingivale Konditionen, Falldefinitionen und diagnostische Erwägungen (Review: Sandro Cortellini, Nabil Bissada);
• Okklusales Trauma und exzessive okklusale Kräfte (Review: Jingyaun Fan, Jack Caton)
• Zahn-bezogene Probleme (Review: Carlo Ercoli, Jack Caton). Mitglieder der DG PARO in Arbeitsgruppe 3 war: Søren Jepsen (Bonn), Anton Sculean (Bern)

Arbeitsgruppe 4: Peri-implantäre Erkrankungen und Konditionen, Vorsitz: Gary Armitage und Tord Berglundh:
• Peri-implantäre Gesundheit (Review: Mauricio Araujo, Jan Lindhe);
• Peri-implantäre Mukositis (Review: Lisa Heitz-Mayfield, Giovanni Salvi);
• Peri-Implantitis (Review: Frank Schwarz, Hom-Lay Wang);
• Weich- und Hartgewebsdefekte (Review: Denis Tarnow, Christoph Hämmerle);
• Falldefinitionen und diagnostische Erwägungen (Review: Stefan Renvert, Paulo Camargo).
Mitglieder der DG PARO in Arbeitsgruppe 4 waren: Jan Derks (Göteborg), Frank Schwarz (Düsseldorf) und Nicola Zitzmann (Basel).

Wann ist es offiziell?
Die neu erarbeitete Klassifikation der parodontalen und peri-implantären Erkrankungen und Zustände wird im Rahmen der EUROPERIO 9 in Amsterdam erstmalig vorgestellt. Die DG PARO wird sich jedoch im Rahmen
der Frühjahrstagung am 2. und 3. Februar 2018 in Berlin thematisch bereits mit Aspekten der neuen Klassifikation beschäftigen. Als Referenten sind mit Søren Jepsen und Iain Chapple zwei der verantwortlichen Gestalter des Workshops sowie die entsprechenden Teilnehmer der DG PARO eingeladen. Die Tagung soll Einblicke in die Diskussionen um die einzelnen parodontalen Erkrankungen und Zustände geben, aber auch die Bedeutung der parodontalen und peri-implantären Erkrankungen sowie deren Therapieoptionen im Praxisalltag beleuchten.
Weiterführende Informationen sowie die Anmeldung zur Frühjahrstagung in Berlin finden Sie auf der Homepage der DG PARO unter www.dgparo.de. Wir freuen uns auf Sie!

Pressebild Klassifikation

Deutsche Teilnehmer des World Workshops
Bildrechte: DG PARO

Zur Gesellschaft:
Die Deutsche Gesellschaft für Parodontologie e.V. (DG PARO) nimmt wissenschaftliche und fachliche Aufgaben auf dem Gebiet der Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde, insbesondere der Parodontologie wahr. Für ihre fast 5000 Mitglieder sowie zahnärztliche Organisationen ist sie seit nahezu 90 Jahren beratend und unterstützend in parodontologischen Fragen tätig. Zu den Aufgaben der DG PARO gehört u. a. die Förderung der Forschung auf dem Gebiet der Parodontologie sowie die Auswertung, Verbreitung und Vertretung der wissenschaftlichen Erkenntnisse. Wesentliche Tätigkeitsschwerpunkte neben der Durchführung von wissenschaftlichen Tagungen, sind die Fort- und Weiterbildung auf dem Gebiet der Parodontologie sowie die Ausrichtung entsprechender Veranstaltungen. Zudem vergibt die Gesellschaft jährlich Wissenschaftspreise wie den Eugen-Fröhlich-Preis. Die DG PARO arbeitet, auch interdisziplinär, intensiv mit wissenschaftlichen Gesellschaften, Arbeitsgemeinschaften und Institutionen des In- und Auslandes zusammen. Sie verfolgt ausschließlich und unmittelbar gemeinnützige Zwecke.

The European Federation of Periodontology (EFP), founded in 1991, is an umbrella organisation of 29 national scientific societies devoted to promoting research, education, and awareness of periodontal science and practice under the strategic vision "Periodontal health for a better life". The EFP represents more than 14,000 periodontists and gum-health professionals from Europe, northern Africa, and the Middle East, and is the driving force behind scientific conferences EuroPerio and Perio Master Clinic, the benchmark meeting Perio Workshop, the Journal of Clinical Periodontology, and the EFP-accredited programme of postgraduate periodontal education.

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