Was machen Parodontologen?

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  • Fachzahnarzt für Parodontologie
  • DG PARO-Spezialist für Parodontologie®
  • Master of Science in Parodontologie und Implantattherapie
  • Tätigkeitsschwerpunkt Parodontologie

Welche Ausbildung verbirgt sich hinter diesen Bezeichnungen?

Im Fach Parodontologie gibt es viele Möglichkeiten der Fort- und Weiterbildung. Viele Zahnärzte verwenden verschiedene Bezeichnungen, mit denen sie ihre besondere Befähigung und Qualifikation für die Behandlung von Parodontalerkrankungen herausstellen. Alle Zahnärzte sind dafür ausgebildet, Parodontalerkrankungen zu erkennen und leichte bis mittlere Erkrankungen zu behandeln. Für die Beurteilung und Behandlung schwerer und komplizierter Fälle kann es hilfreich sein, einen auf Parodontologie spezialisierten Zahnarzt aufzusuchen. Der folgende Text soll Patienten und Zahnärzten Informationen liefern, um sich in dem mittlerweile unübersichtlichen Dschungel der unterschiedlichen Bezeichnungen für parodontologische Spezialisierungen zurecht zu finden.

Was steckt hinter den Bezeichnungen Fachzahnarzt für Parodontologie, DG PARO-Spezialist für Parodontologie®, Master of Science in Parodontologie und Implantattherapie oder Tätigkeitsschwerpunkt Parodontologie?
Für welchen Ausbildungsumfang und für welche Qualifikationen stehen diese Namen?

An deutschen Universitäten erhält jeder Zahnarzt in seinem Studium eine Grundausbildung in den 5 Kernfächern der Zahnmedizin:
    •    Zahnerhaltungskunde,
    •    Zahnärztliche Prothetik (Zahnersatzkunde),
    •    Zahnärztliche Chirurgie,
    •    Kieferorthopädie
    •    und Parodontologie.
    
Die Parodontologie beschäftigt sich mit der Vorbeugung (Prophylaxe), Erkennung (Diagnostik) und Behandlung von Erkrankungen des Zahnfleisches (Gingiva) sowie des gesamten Zahnhalteapparates (Parodont).

Die Ausbildung in Parodontologie umfasst theoretische Kenntnisse zu allen Aspekten des Faches und eine praktische Ausbildung in der Diagnostik, der Vorbeugung und nichtchirurgischen Behandlung parodontaler Erkrankungen. Damit werden alle Zahnärzte in die Lage versetzt, parodontale Erkrankungen rechtzeitig zu erkennen und einfache bis mittelschwere Fälle zu behandeln. Obwohl in Deutschland etwa 10 bis 15% aller Erwachsenen an schweren Formen parodontaler Erkrankungen (überwiegend Parodontitis: entzündliche Zerstörung des Zahnhalteapparates) leiden, macht das Fach Parodontologie an deutschen Universitäten weniger als 5% des Unterrichts aus und umfasst keine vertiefende praktische Ausbildung in operativen Verfahren (Parodontalchirurgie). Verglichen werden kann diese Ausbildung mit der Qualifikation des Hauszahnarztes, der sich nach seinem Studium nicht weiter auf dem Gebiet der Parodontologie fort- und weitergebildet hat. In schwierigeren und komplexeren Fällen überweist der Haus(zahn)arzt deshalb seine Patienten an einen Fach(zahn)arzt. In Deutschland gibt es Fachzahnärzte für Oralchirurgie und Fachzahnärzte für Kieferorthopädie. Im Fach Parodontologie ist dies der Fachzahnarzt für Parodontologie, der Anfang der 80er Jahre eingerichtet wurde.

Fachzahnarzt für Parodontologie
Der Fachzahnarzt für Parodontologie hat nach seiner Ausbildung zum Zahnarzt eine 3-jährige Weiterbildung absolviert, in der er sich intensiv mit Parodontologie beschäftigt und viele 100 Patienten mit parodontalen Erkrankungen sieht und behandelt.

In dieser Zeit erhält der Fachzahnarzt eine intensive und umfassende theoretische und praktische Ausbildung, die ihn in die Lage versetzt alle Erkrankungen des Zahnfleisches (Gingiva) und des Zahnhalteapparates (Parodont) zu erkennen und umfassend zu behandeln. Aber auch Implantate, plastische Parodontalchirurgie und die Rekonstruktion mit Zahnersatz sowie die Nachsorge gehören zu seiner Ausbildung. Er muss nachweisen, in seiner Ausbildungszeit alle möglichen parodontologischen Behandlungsmaßnahmen durchgeführt zu haben (Operationskatalog). 

Von dieser Ausbildungszeit muss mindestens 1 Jahr an einer Fachabteilung für Parodontologie einer Universitätszahnklinik abgeleistet werden. Nach Abschluss der Ausbildung muss eine Prüfung vor der Prüfungskommission einer Landeszahnärztekammer abgelegt werden. Die Ausbildungszeit hat ein Volumen von etwa 5.000 Stunden. Die Qualifikation „Fachzahnarzt für Parodontologie“ ist gesetzlich geschützt und darf auf dem Praxisschild geführt werden.

Die Ausbildung von Fachzahnärzten liegt in der Zuständigkeit der Bundesländer, die diese hoheitliche Aufgabe an die Landeszahnärztekammern (Berufsvertretung der Zahnärzte) abgegeben haben. Bis heute ist der Fachzahnarzt für Parodontologie in Deutschland nur im Zahnärztkammerbereich Westfalen-Lippe eingeführt worden. In allen anderen Bundesländern haben sich die Zahnärztekammern, aufgrund vor allem standespolitischer Erwägungen, bisher bislang nicht dazu entscheiden können, ebenfalls parodontologisch intensiv geschulten zahnärztlichen Spezialisten den offiziellen Titel eines Fachzahnarzt zu verleihen. Weitere berufspolitische Informationen finden Sie hier.

DG PARO-Spezialist für Parodontologie®
Um diese Lücke zu schließen, hat die Deutsche Gesellschaft für Parodontologie 1992 den DG PARO-Spezialisten für Parodontologie® ins Leben gerufen. 
Die Ausbildung zum DG PARO-Spezialisten für Parodontologie® ist mit der Ausbildung zum Fachzahnarzt für Parodontologie identisch und beinhaltet ebenfalls eine Ausbildung von ca. 5.000 Stunden. Davon müssen 2 Jahre an einer Fachabteilung für Parodontologie einer Universitätszahnklinik oder vergleichbaren Ausbildungsstätten absolviert werden. Die Abschlussprüfung wird vor einer Kommission der DG PARO abgelegt.

Eine Liste der DG PARO-Spezialisten für Parodontologie® finden sie hier. Die Qualifikation „DG PARO-Spezialist für Parodontologie®“ ist gesetzlich geschützt und wird von vielen Zahnärzten, die diese Ausbildung gemacht haben, auf dem Praxisschild geführt.

Der Fachzahnarzt für Parodontologie und der DG PARO-Spezialist für Parodontologie® können als die am umfangreichsten ausgebildeten Parodontologen bezeichnet werden. Die Fachzahnärzte für Parodontologie und die DG PARO-Spezialisten für Parodontologie® sind im Berufsverband der Fachzahnärzte und Spezialisten für Parodontologie (BFSP) organisiert.

Ein kleiner, aber wichtiger Unterschied
Im Unterschied zum DG PARO-Spezialisten für Parodontologie®, der eine bestimmte Ausbildung absolviert haben muss, um diese geschützte Bezeichnung führen zu dürfen, darf sich jeder Zahnarzt, egal wie gut er in Parodontologie ausgebildet ist, „Spezialist für Parodontologie“ nennen.

DG PARO-Master of Science für Parodontologie und Implantattherapie
Viele Zahnärzte, die sich bereits in einer Praxis niedergelassenen haben, möchten sich gerne auf dem Gebiet der Parodontologie weiterbilden. Es ist für sie praktisch unmöglich ihre eigene Praxis für 3 Jahre aufzugeben und die Weiterbildung zum Fachzahnarzt für Parodontologie oder DG PARO-Spezialisten für Parodontologie® zu absolvieren. 

Für diese Gruppe von Zahnärzten wird von der DG PARO seit 2007 der Master of Science für Parodontologie und seit 2009 für Parodontologie und Implantattherapie angeboten. Die Ausbildung erfolgt berufsbegleitend neben der normalen Praxistätigkeit in 24 Unterrichtseinheiten über einen Zeitraum von 2 Jahren. Die Module finden überwiegend an Wochenenden statt. 
Die Ausbildung hat ihren Schwerpunkt in der Theorie und umfasst insgesamt circa 3.200 Stunden. Der „Master of Science für Parodontologie und für Parodontologie und Implantattherapie“ sind von Universitäten verliehene akademische Grade und dürfen auf dem Praxisschild geführt werden.

Weitere Fortbildungsmöglichkeiten
Viele Zahnärztekammern und private Fortbildungsinstitute bieten vielfältige Fortbildungsmöglichkeiten an, die von einzelnen Kursen bis zu Kursserien (sogenannte Curricula) für Parodontologie reichen. Diese Curricula (z.B. das Curriculum Parodontologie der Akademie Praxis und Wissenschaft und der DG PARO umfassen etwa 130 Ausbildungsstunden an 14 Fortbildungstagen (7 Wochenenden). Dazu kommen 1 Hospitation (Praktikum in einer Ausbildungspraxis) und 1 Supervision (Operation des Zahnarztes unter Anleitung). Ein Zertifikat für das Curriculum wird verliehen, wenn eine Abschlussprüfung erfolgreich absolviert wurde. 

Das Fortbildungsformat der Curricula hat 2 Zielgruppen:

  1. Zahnärzte, deren Studium bereits lange zurück liegt und die sich über den aktuellen Stand des Fachs Parodontologie informieren wollen.
  2. Junge Zahnärzte, die Defizite in ihrem Studium hinsichtlich ihrer parodontologischen Ausbildung sehen und diese ausgleichen möchten.

Diese Fortbildung geht nicht über die Ausbildung des Hauszahnarztes hinaus. Einige Zahnärztekammern vergeben an Zahnärzte, die ein Curriculum abgeschlossen haben, sogenannte Kammerzertifikate oder Tätigkeitsschwerpunkte in Parodontologie, die auf den Praxisschildern geführt werden dürfen. Jeder Zahnarzt darf auf besondere, personenbezogene Kenntnisse und Fertigkeiten hinweisen. Ein besonderer Qualifikationsnachweis muss hierfür nicht erbracht werden. Hierzu zählt der Zusatz Parodontologie oder auch die Bezeichnung Tätigkeitsschwerpunkt Parodontologie auf dem Praxisschild. Tätigkeitsschwerpunkte und besondere Kenntnisse und Fertigkeiten können nach Belieben von jedem Zahnarzt angegeben werden.
 

Weitere Informationen über das DG PARO-Büro:

Frau Dipl.-Ing. (FH) Gerlinde Krammel

Phone: 0941-94 27 99 0
Fax: 0941-94 27 99 22
E-mail: krammel@dgparo.de

Deutsche Gesellschaft für Parodontologie e. V.
Neufferstraße 1
93055 Regensburg

Phone: 0941-94 27 99 0
Fax: 0941-94 27 99 22
E-mail: kontakt@dgparo.de