Gesundes Zahnfleisch
> bei Bluthochdruck
> bei Diabetes
> bei Organtransplantation
> Was können Sie selbst tun?
Wenn ja, dann sollten Sie hier weiterlesen. Es
geht um Ihre Zahngesundheit und um den Erhalt
Ihrer Zähne.
Erkrankungen des Zahnfleisches und manche
Allgemeinerkrankungen können sich unter
Umständen gegenseitig beeinflussen. So ist
seit langem bekannt, dass die Zuckerkrankheit
in ihrem Verlauf davon beeinflusst wird, ob
eine unbehandelte Entzündung des Zahnhalteapparates
(Parodontitis) vorliegt oder nicht.
Umgekehrt ist das Risiko für einen Diabetiker, an einer schweren Parodontitis zu erkranken, höher als beim Gesunden. Darüber hinaus haben bestimmte Medikamente, die über einen längeren Zeitraum eingenommen werden, Einfluss auf die Gesundheit des Zahnfleisches. Sollten Sie davon betroffen sein, ist es wichtig, diese Zusammenhänge zu kennen. Nur so können Sie sich wirkungsvoll vor Zahnverlust schützen.
Bluthochdruckmedikamente und Zahnfleischwucherungen
Zur Behandlung des Bluthochdrucks (Hypertonie)
werden heute häufig Medikamente verordnet,
die über lange Zeit eingenommen werden
müssen.
Bei einer Gruppe dieser Präparate, den
so genannten Kalziumantagonisten vom Nifedipin-Typ, können Wucherungen des Zahnfleisches
entstehen.
Sie sind belastend, nicht nur,
weil gewuchertes Zahnfleisch unschön aussieht, sondern auch, weil in fortgeschrittenen
Fällen das Kauen erschwert ist.
Daneben begünstigt
gewuchertes Zahnfleisch die Plaquebildung.
Eine chronische Entzündung wird provoziert,
Zahnverlust kann die Folge sein.
Gesundes Zahnfleisch
Gesundes Zahnfleisch hat eine blassrosa Farbe, füllt die Zwischenräume zwischen den Zähnen vollständig aus und blutet bei Berührung nicht.Die Zähne sind belagfrei.
Zahnfleischwucherungen
Zahnfleischwucherungen begünstigen die Ablagerung bakterieller Zahnbeläge und erschweren die Zahnpflege.Eine Zahnfleischentzündung (Gingivitis) ist die Folge.
Diabetes
In den westlichen Ländern leiden mindestens 5 Prozent der Menschen an Diabetes mellitus – der „Zuckerkrankheit“ –, Tendenz steigend. Vermutlich wird nur die Hälfte der Erkrankten erkannt. 80 Prozent aller Diabetiker sind über 40 Jahre, 0,05 Prozent unter 15 Jahren alt.
Die Zahnärzte wissen heute, dass eine nicht behandelte Parodontitis bei Diabetikern schneller und heftiger verläuft. Außerdem leiden Diabetiker häufiger unter Wundheilungsstörungen nach Zahnextraktionen, Zahnfleischabszessen, Zahnfleischentzündungen mit Ulzerationen (Geschwüren) und Rhagaden (Rissen) in den Mundwinkeln. Eine durch Einnahme bestimmter Medikamente verursachte Mundtrockenheit kann diese Symptome noch verstärken.
Parodontitis
Typisches Erscheinungsbild einer Parodontitis im Erwachsenenalter.Das Zahnfleisch ist gerötet und teilweise geschwollen, andererseits fehlt es zwischen den Zähnen.
Die Zähne sind gelockert, der knöcherne Unterbau ist zum Teil verlorengegangen.
Rhagade (Riss) in den Mundwinkeln
Viele Diabetiker leiden unter Rhagaden in den Mundwinkeln.Sowohl Typ II-Diabetiker (Erwachsene mit primär nicht-insulinabhängigem Diabetes) als auch Typ I-Diabetiker (früher: insulinabhängiger Diabetes im jugendlichen Alter) haben ein 3-fach höheres Risiko für eine Parodontalerkrankung als Nicht-Diabetiker. Außerdem erhöht ein schlecht eingestellter Diabetes das Risiko für Knochenverlust im Kiefer und für einen schwereren Verlauf der Parodontitis.
Ein gut eingestellter Diabetiker hat dagegen kein höheres Risiko als ein Gesunder.
Umgekehrt kann eine nicht erkannte oder nicht behandelte Parodontitis den Schweregrad und die Einstellbarkeit des Diabetes beeinflussen. Deshalb ist es so wichtig, zur Verbesserung des Diabetesstatus bestehende Parodontalerkrankungen konsequent zu behandeln. Je besser Ihr Diabetes eingestellt ist, desto erfolgreicher wird die zahnärztliche Behandlung sein.
Nierenerkrankungen und Dialyse
Dialyse
Bei Nierenerkrankungen und regelmäßiger Dialyseanwendung ist eine entzündungsfreie Mundhöhle von großer Bedeutung. Zahnfleischentzündungen stellen eine erhebliche Belastung für den Organismus dar und können andere Organerkrankungen begünstigen.Ein Diabetes mellitus kann – vor allem bei schlechter Blutzuckereinstellung – auf Dauer die Nieren schädigen. Ebenso können Nierenerkrankungen unabhängig auftreten, sich über längere Zeit entwickeln, verschlechtern und eine Dialyse (Blutwäsche), nicht selten eine Nierentransplantation, erforderlich machen.
Gerade für Nierenkranke ist eine entzündungsfreie Mundhöhle von besonderer Bedeutung.
Häufig vernachlässigen Dialysepatienten wegen der Dauerbelastung ihre Mundhygiene. Karies und Parodontitis können die Folge sein. Weil die Parodontitis eine Belastung für den Organismus darstellt und andere Organerkrankungen begünstigen kann, sollte der Mund- und Zahnpflege große Aufmerksamkeit geschenkt
werden.
Wichtig sind also eine optimale Mundhygiene und ein saniertes Gebiss.
Organtransplantation
Gesundes Zahnfleisch und die Beseitigung von Kariesschäden sind vor einer Organtransplantation unbedingt anzustreben. Daher sollten Sie sich vor einer Transplantation zahnärztlich untersuchen lassen. Danach entscheidet Ihr Zahnarzt in Absprache mit Ihrem Internisten, welche Behandlungsmaßnahmen durchzuführen sind.
Als organtransplantierter Patient gelten Sie in der zahnärztlichen Behandlung als „Risikopatient“: Sie erhalten eine immunsuppressive Langzeittherapie, die die Abstoßung des Organtransplantats verhindern soll. Meist wird hier Cyclosporin A verabreicht. Häufig ist die Behandlung mit blutdrucksenkenden Mitteln, u. a. Kalziumantagonisten, notwendig. In vielen Fällen entwickeln sich dann Zahnfleischwucherungen (Gingivahyperplasien) als Nebenwirkungen dieser Medikamente. Diese Wucherungen können unterschiedliche Ausprägungen erreichen. Zu Beginn erscheint die an sich straffe, feste Oberfläche des Zahnfleischs zerfurcht und blumenkohlartig verändert.
Danach kann eine wulstige Verdickung entstehen. Diese begünstigt die Bildung von bakteriellen Zahnbelägen und erschwert die Zahnpflege.
Eine Zahnfleischentzündung (Gingivitis) ist die Folge.
Was können Sie selbst tun?
Ihre Mitarbeit ist für den Erfolg aller zahnärztlichen Bemühungen von größter Bedeutung. Wichtig ist vor allem eine regelmäßige und effiziente Mundhygiene. Dazu gehören gründliches Zähneputzen und ganz besonders die Reinigung der Zahnzwischenräume, weiterhin Fluoridierungsmaßnahmen zum Schutz vor Karies, z.B. mit fluoridhaltigen Zahnpasten, Mundspüllösungen sowie Fluoridgelées.
Zahnpflege zu Hause
Die kombinierte Anwendung
von medizinischen Zahnpflegeprodukten
bietet besonders
wirksamen Schutz vor Zahnfleischentzündungen
und
Plaque.
Zahnärztliche Betreuung
Gerade für die Prophylaxe hat
Ihr Zahnarzt hochwirksame
Betreuungs- und Behandlungskonzepte entwickelt.
Fragen Sie ihn zu professioneller
Zahnreinigung und
individuellen medizinischen
Behandlungsmöglichkeiten zur
Erhaltung Ihrer Zahngesundheit. Hier stehen Ihnen Ihr Zahnarzt und sein
Team gern mit Rat und Tat zur Seite.
Ergänzt werden sollten Ihre eigenen Bemühungen
durch eine mindestens zweimal
jährlich durchgeführte professionelle Zahnreinigung.
Hierunter versteht man die gründliche
Entfernung aller weichen und harten Zahnbeläge
durch speziell weitergebildetes Personal,
verbunden mit einer individuellen Information über Möglichkeiten, die Mundhygiene zu optimieren.
Bei fortgeschrittenen Zahnfleischwucherungen
kann es trotz allem notwendig werden, die
gewucherten Zahnfleischanteile chirurgisch
abzutragen.
Alle Maßnahmen – vorbeugende wie chirurgische – müssen zwischen den betreuenden
Fachärzten und dem Zahnarzt abgesprochen
werden.
Sind Sie Diabetiker, ist es entscheidend für den
Behandlungserfolg, dass Ihr Diabetes optimal
eingestellt ist.
Leiden Sie an Bluthochdruck oder sind Sie
ein Transplantat-Patient, sollte mit dem behandelnden
Arzt abgeklärt werden, ob die Arzneimittel-
Dosis reduziert werden kann, oder ob es
sinnvoll ist, auf ein anderes Medikament „umzusteigen“.
Dies sollte auf keinen Fall eigenmächtig
geschehen, sondern immer nur in Absprache
mit dem verantwortlichen Arzt.
Ein langfristiger Erfolg der Therapie kann nur durch gemeinsame Bemühungen von Zahnarzt und Patient erreicht werden.
