Parodontitis
01. Was ist eine Parodontitis und wie erkenne ich sie?
02. Was sind die Ursachen einer Parodontitis?
03. Was kann ich tun, um eine Parodontitis zu vermeiden?
04. Welches sind die Folgen einer Parodontitis?
05. Welches sind die Risikofaktoren für eine Parodontitis?
06. Wie wird eine Parodontitis behandelt?
07. Selbsttest: Wie gesund ist Ihr Zahnfleisch?
Lassen Sie sich zu diesen Fragen vor einer Therapie auch genau von Ihrem Zahnarzt oder Ihrer Zahnärztin beraten. Ihr DGP-Spezialist berät Sie gerne.
01. Was ist eine Parodontitis und wie erkenne ich sie?
Eine Parodontitis ist eine Entzündung des Zahnhalteapparates. Sie gehört zu den häufigsten Erkrankungen des Menschen.
Verursacht wird die Parodontitis durch Bakterien und die Entzündungsreaktion des Körpers. Durch diese chronische Entzündung wird der Kieferknochen zerstört, wodurch es bei fortgeschrittener Erkrankung zu Zahnverlust kommt. Seltene Formen der Parodontitis führen unbehandelt schon bei jungen Erwachsenen zu Zahnverlust; ansonsten tritt dieser erst später auf, wenn die Parodontitis nicht erkannt und behandelt wird.
Eine Parodontitis beginnt immer mit einer Zahnfleischentzündung (Gingivitis). Diese ist für Sie nur schwer zu erkennen. Am ehesten bemerken Sie eine erhöhte Neigung zu Zahnfleischbluten. Auch kann das Zahnfleisch geschwollen sein; an den Zähnen sehen Sie oft einen verfärbten bakteriellen Belag.
Aus der Gingivitis kann sich eine Parodontitis entwickeln, ohne dass Sie deutliche Zeichen davon wahrnehmen. Außer gelegentlich blutendem Zahnfleisch treten evtl. auf: Mundgeruch, Änderung der Zahnstellung, länger werdende und gelockerte Zähne, sowie gelegentlich Schmerzen.
Parodontitis wird häufig erst im Alter von 40 oder 50 Jahren
entdeckt, obwohl die ersten Krankheitszeichen durch
den Zahnarzt früher feststellbar sind.
Fragen Sie daher
Ihren Zahnarzt nach dem Parodontalen Screening Index
(PSI).
Gesundes Zahnfleisch
Gesundes Zahnfleisch füllt die Zwischenräume zwischen den Zähnen vollständig aus und blutet bei Berührung nicht. Die Zähne sind belagfrei.
Entzündetes Zahnfleisch
(Gingivitis)
Erkranktes Zahnfleisch ist
gerötet, blutet leicht bei
Berührung und ist geschwollen.
Die Zähne sind mit
bakteriellen und verfärbten
Belägen behaftet.
Entzündeter Zahnhalteapparat
(Parodontitis)
Das Zahnfleisch ist gerötet
und teilweise geschwollen,
andererseits fehlt es
zwischen den Zähnen. Die
Zähne sind gelockert, der
knöcherne Unterbau ist zum
Teil verlorengegangen.Wichtig: Eine Parodontitis ist eine Entzündung
des Zahnhalteapparates. Unbehandelt kann sie
zu
Zahnverlust führen.
02. Was sind die Ursachen einer Parodontitis?
Die gesunde Mundhöhle wird von über 700 Arten von
Bakterien besiedelt. Die meisten davon sind harmlos. Gingivitis oder Parodontitis entwickeln sich, wenn durch
unzureichende Zahnreinigung die Menge der Bakterien
zunimmt. Dann können gefährliche Arten vermehrt auftreten.
Auch kann der Körper in seiner natürlichen Abwehr
geschwächt sein.
Ursache für eine Parodontitis ist immer
die Ansammlung von Bakterien in Form der Zahnbeläge
(Plaque).
Ohne Beläge kann weder eine Gingivitis
noch eine Parodontitis entstehen. Wird der zunächst weiche
Belag bei der Zahnpflege nicht entfernt, verfestigt er sich durch Einlagerung von Mineralien: Es entsteht Zahnstein.
Zahnstein fördert das Wachstum der Plaque Richtung
Zahnwurzel. Zwischen Zahnwurzel und Zahnfleisch bildet sich
ein Spalt, die Zahnfleischtasche. Sie stellt einen idealen
Lebensraum für Bakterien dar.
Gifte aus dem Bakterienstoffwechsel
gelangen in das Zahnfleisch. Dort lösen sie eine
Reaktion der körpereigenen Abwehr aus. Schweregrad und
Verlauf der Zahnbetterkrankungen werden von Menge und
Art der auslösenden Bakterien bestimmt, von der individuellen
Stärke der Abwehrkräfte des Patienten und von
bestimmten Risikofaktoren.
Je aggressiver die Bakterien und
je schwächer die Abwehrlage des Körpers ist, desto früher und stärker tritt die Krankheit auf. Die Infektionsabwehr kann
durch äußere Faktoren nachhaltig geschwächt werden (z. B. Rauchen).
Die Einnahme von bestimmten Medikamenten
(blutdrucksenkende, gefäßerweiternde Mittel; Immunpräparate;
Anfalldämpfung) kann die entzündliche Reaktion
auf die Plaqueansammlung so verändern, dass deutlich
sichtbare Zahnfleischwucherungen entstehen. Immer gilt
jedoch: Ohne Zahnbelag keine Erkrankung!
Wichtig: Ursache für eine Parodontitis ist immer
die Ansammlung von Bakterien in Form der Zahnbeläge
(Plaque). Ohne Beläge kann weder eine
Gingivitis noch eine Parodontitis entstehen.
03. Was kann ich tun, um eine Parodontitis zu vermeiden?
Zahnbettentzündungen sind nicht schicksalhaft. Sie können
durch richtige und gründliche Mundhygiene, ergänzt
durch professionelle Betreuung, der Entstehung
von Gingivitis und Parodontitis vorbeugen.
Durch eine zweimal tägliche, gründliche Pflege der Zähne mit der Zahnbürste, ergänzt durch eine einmal tägliche
Reinigung aller Zahnzwischenräume verhindern Sie die
Bildung schädlicher bakterieller Zahnbeläge.
Die sorgfältige Reinigung aller Zähne mit Zahnpasta und Zahnbürste sollte zweimal täglich erfolgen.
Zahnbürste und Zahnpasta können dabei nur die Kau- und Seitenflächen der Zähne reinigen. Die Zahnzwischenräume werden von ihnen nicht erreicht. Noch schwieriger ist die Situation bei schiefen Zähnen (Zahnkippungen) oder vorhandenen Füllungen und Zahnersatz.
Je nach Zahnstellung und Größe der Zwischenräume werden hierzu Zahnseide und Zahnzwischenraumbürsten verwendet. Entfernen Sie damit einmal täglich die Beläge in allen Zahnzwischenräumen. Lassen Sie sich davor in Ihrer Zahnarztpraxis die richtige Anwendung von Zahnseide zeigen.
Der richtige Gebrauch
von Zahnseide erlaubt die
sorgfältige Reinigung der
Zahnzwischenräume.
Die bakteriellen Beläge
sollten damit einmal täglich
entfernt werden.
Bei größeren Zahnzwischenräumen, vor allem im Bereich der Backenzähne, ist der Gebrauch der Zahnzwischenraumbürste eine große Hilfe zur Plaqueentfernung.
Medizinische Mundspüllösungen
können die manuelle
Reinigung ergänzen.
Sie hemmen das Wachstum
entzündungsfördernder
Bakterien und sollten nach
dem Zähneputzen verwendet
werden.
Gelingt die Mundhygiene nicht optimal, entstehen feste
Beläge und mineralisierte Auflagerungen auf der Zahn- oder
Wurzeloberfläche (Zahnstein), die Sie selbst nicht
mehr entfernen können. Diese werden während der regelmäßigen
Kontrollen bei Ihrem Zahnarzt oder im
Rahmen einer professionellen Zahnreinigung entdeckt
und beseitigt.
Zum Abschluss der professionellen Zahnreinigung
werden die Zahnoberflächen mit speziellen Pasten
und Polierkelchen poliert. Plaque kann jetzt nicht mehr so
schnell haften.
Wichtig: Der Gebrauch der Zahnbürste muss durch
eine einmal tägliche Reinigung aller Zahnzwischenräume
(Zahnseide oder Zahnzwischenraumbürsten)
ergänzt werden.
04. Welches sind die Folgen einer Parodontitis?
Wird die Entzündung nicht gestoppt, kann sie auf den
Kieferknochen übergreifen und schubweise zu dessen
Abbau führen. Es kommt zum Zahnverlust. Parodontitis
ist die häufigste Ursache für Zahnverlust mit all seinen
Konsequenzen.
Weitere Folgen einer unbehandelten Parodontitis können
ein erhöhtes Risiko für Komplikationen während der
Schwangerschaft (Präeklampsie, Frühgeburten und niedriges
Geburtsgewicht) sowie ein erhöhtes Risiko für Herzerkrankungen und Diabetes sein.
Wichtig: Eine nicht behandelte Parodontitis geht
mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit für Herzerkrankungen,
Diabetes und Risikoschwangerschaften
einher.
05. Welches sind die Risikofaktoren einer Parodontitis?
Bestimmte Risikofaktoren erhöhen die Wahrscheinlichkeit
für die Entstehung und das Fortschreiten einer
Parodontitis: Stress, manche Allgemeinerkrankungen (z. B.
Diabetes) und vor allem das Rauchen.
Raucher erkranken
deutlich häufiger an einer Parodontitis als Nichtraucher. Zahnfleisch und auch Knochentransplantate sowie
künstliche Zahnwurzeln (Implantate) heilen bei Rauchern
wesentlich schlechter ein als bei Nichtrauchern.
Der Verlauf
der Parodontitis ist bei Rauchern deutlich schwerer;
der Gewebeabbau erfolgt bei ihnen wesentlich schneller.
Dadurch werden die Zähne schneller locker und gehen
häufiger verloren. Raucher sprechen auf die Behandlung
der Parodontitis schlechter an als Nichtraucher. Es gibt
Parodontitisfälle, die trotz Behandlung nicht ausheilen. Bei
mehr als 90 % dieser Fälle handelt es sich um Raucher.
Wichtig: Vor allem Rauchen ist ein bedeutsamer
Risikofaktor für eine Parodontitis.
06. Wie wird eine Parodontitis behandelt?
Eine bestehende Parodontitis kann durch eine systematische
Behandlung meist zum Stillstand gebracht werden. Grundlage jeder Behandlung ist dabei die vollständige
Beseitigung der verursachenden bakteriellen Plaque.
Dabei geht Ihr Praxisteam in mehreren Schritten vor:
Initial- oder Hygienephase:
In Ihrer Zahnarztpraxis werden Ihnen die Ursachen der
Parodontitis erklärt. Dort erfahren Sie, wie Sie Ihre Zähne
und Ihr Zahnfleisch sauber halten können.
Sie lernen, wie
Sie die verschiedenen Reinigungsinstrumente richtig
handhaben. Die Zähne werden dabei zunächst von den
erreichbaren weichen Belägen und Auflagerungen befreit.
Politur und Fluoridierung der Zahnoberflächen schließen
sich an. Je nach Ausgangssituation sind für diese Maßnahmen
mehrere Termine notwendig. Anschließend werden
in der Praxis alle erreichbaren harten Auflagerungen
und bakteriellen Beläge von den Wurzeloberflächen und
aus den Zahnfleischtaschen entfernt. Durch diese erste
Hygienephase wird die Bakterienmenge verringert und
die Entzündung geht zurück.
Zum Abschluss der professionellen
Zahnreinigung werden
die Zahnoberflächen mit
speziellen Pasten und Polierkelchen
poliert. Plaque kann
jetzt nicht mehr so schnell
anhaften.Antibiotikatherapie:
In bestimmten Fällen kann der Einsatz von Antibiotika
in verschiedenen Formen angezeigt sein, um besonders
aggressive Bakterien abzutöten.
Zwischenkontrolle (Reevaluation):
Nach einigen Wochen erfolgt eine erneute Beurteilung
Ihres Zahnfleisches. Wenn die bisherige Behandlung
nicht ausgereicht hat, um die Zahnfleischtaschen zu beseitigen,
wird Ihnen der Zahnarzt weiterführende Behandlungsschritte
vorschlagen. Dazu gehört die korrektive (chirurgische)
Phase.
Korrektive (chirurgische) Phase:
In manchen Fällen ist ein kleiner chirurgischer Eingriff notwendig, um Zahnsteinreste und Bakterien, die in schwer
zugänglichen Zahnfleischtaschen und Wurzelgabelungen
(Furkationen) verblieben sind, zu entfernen. Hierbei
werden in örtlicher Betäubung die Wurzeloberflächen
unter Sicht gereinigt, um möglichst jeden Bakterienschlupfwinkel
zu erfassen. Bei größerem Knochenverlust
besteht dabei außerdem die Möglichkeit, diesen durch
spezielle Behandlungsmethoden teilweise zu reparieren
(sog. regenerative Verfahren).
Auch nach chirurgischen Eingriffen
muss die Plaque mit einer
sehr weichen Zahnbürste
entfernt werden.
Nachsorge (Unterstützende Parodontitistherapie:
UPT, Recall):
Der langfristige Erfolg der Parodontalbehandlung hängt
von Ihrer Mitarbeit bei der täglichen Mundhygiene und
von der regelmäßigen Betreuung durch das zahnärztliche
Praxisteam ab. Im Rahmen der Nachsorgeuntersuchungen
werden Zähne und Zahnfleisch kontrolliert (z. B.
Messung der Zahnfleischtaschen) und professionell gereinigt.
Sie erfahren dabei auch, an welchen Stellen Sie Ihre
Mundhygiene noch verbessern sollten. Die Häufigkeit der
Nachsorgetermine richtet sich nach dem Schweregrad
der Erkrankung und dem individuellen Erkrankungsrisiko
des Patienten. In den meisten Fällen ist ein Nachsorgetermin
alle drei bis sechs Monate nötig.
Nehmen Sie die
Nachsorgetermine unbedingt wahr! Ohne regelmäßige
Nachsorgetermine besteht sonst die Gefahr, dass die Erkrankung
wiederkehrt und sich die Zerstörung des Zahnhalteapparates
fortsetzt.
Wichtig: Für den Erfolg der Parodontalbehandlung
ist Ihre Mitarbeit von entscheidender Bedeutung.
Nehmen Sie die Behandlungstermine und die
Nachsorgetermine unbedingt wahr und verwenden
Sie besondere Sorgfalt auf Ihre tägliche Mundhygiene.
07. Wie gesund ist Ihr Zahnfleisch?
- Ist Ihr Zahnfleisch geschwollen? (Vergleichen Sie hierzu Ihr Zahnfleisch mit den Abbildungen oben)
- Blutet Ihr Zahnfleisch beim Zähneputzen oder bei der Benutzung eines Zahnstochers bzw. anderer Hilfsmittel zur Zahnreinigung?
- Ist Ihr Zahnfleisch zurückgegangen?
- Beobachten Sie eine zunehmende Lockerung Ihrer Zähne?
- Tritt eine gelbliche, eiterähnliche Flüssigkeit am Zahnfleischsaum aus, wenn Sie Ihr Zahnfleisch massieren?
- Hat sich Ihre Zahnstellung verändert und haben sich dabei Lücken gebildet?
- Haben Ihre Eltern oder Geschwister Zähne frühzeitig durch Zahnlockerung verloren?
Wenn Sie eine der Fragen mit „ja“ beantwortet haben,
sollten Sie sich unbedingt in Ihrer Zahnarztpraxis beraten
lassen.
Vergessen Sie auch ansonsten nicht die regelmäßigen
Kontrolltermine bei Ihrem Zahnarzt (mindestens
zweimal jährlich) und fragen Sie dabei auch nach dem Parodontalen
Screening Index (PSI).
