Implantate
Liebe Patientinnen und Patienten,
mit dem folgenden Ratgeber wollen wir Sie genauer zur
Implantattherapie bei fehlenden Zähnen informieren. Im
Einzelnen erhalten Sie dabei Antworten auf die folgenden Fragen:
- Was ist ein Implantat?
- Welchen Vorteil haben Implantate?
- Was spricht gegen Implantate?
- Welche Vorbehandlungen sind vor einer Implantattherapie notwendig?
- Wie wird ein Implantat gesetzt?
- Was kann ich tun, damit ein Implantat möglichst lange hält?
- Wie reinige ich meine Implantate?
- Warum ist gute Mundhygiene so wichtig?
- Woran erkenne ich Mukositis und Periimplantitis?
- Wie werden Mukositis und Periimplantitis behandelt?
Lassen Sie sich zu diesen Fragen vor einer Therapie auch genau von Ihrem Zahnarzt oder Ihrer Zahnärztin beraten. Ihr DGP-Spezialist berät Sie gerne.
1. Was ist ein Implantat?
Ein Implantat ersetzt einen fehlenden Zahn und besteht aus mehreren Komponenten. Der Implantatkörper ist
eine künstliche Zahnwurzel, die in den Kieferknochen eingepflanzt (implantiert) wird. Die „Suprakonstruktion“, der
eigentliche Zahnersatz, ist der sichtbare Teil des Implantats.
Der Implantatkörper ist meist aus Titan, einem sehr gut verträglichen Metall, zwischen 8 und 16 mm lang und
verwächst fest mit dem Kieferknochen. Die meisten Implantate bestehen aus mehreren Komponenten. Längen
und Durchmesser eines Implantats werden passend zum
Knochenangebot ausgewählt. Unmittelbar nach der Implantation
wird der Implantatkörper mit einer Abdeckschraube
vorübergehend verschlossen. Der Gingivaformer (Gingiva =Zahnfleisch) erleichtert in der Einheilungsphase
das Abheilen des Zahnfleisches und formt die Gingiva in
der benötigten Weise. Das Abutment (Pfosten) wird fest
mit dem Implantatkörper verschraubt und bildet die Unterlage
für die Krone oder den Zahnersatz.
Ein Implantat ist eine künstliche Zahnwurzel bestehend
aus einem Implantatkörper und der Suprakonstruktion
mit festsitzenden Kronen oder herausnehmbarem
Zahnersatz.
2. Welchen Vorteil haben Implantate?
Implantate ersetzen fehlende Zähne und verleihen dem
notwendigen Zahnersatz durch die künstliche Zahnwurzel
einen festen Halt. Sie schließen einzelne Zahnlücken,
ohne dass dabei (wie beim Schluss durch eine Brücke),
die gesunde Zahnsubstanz der Nachbarzähne beschliffen
werden muss. Implantate reduzieren den Knochenabbau in zahnlosen Kieferabschnitten, weil sie die Kaukräfte auf
den Kiefer übertragen.Implantate können herausnehmbarem Zahnersatz einen festeren Halt verleihen. Durch das Setzen von Implantaten wird es oft möglich, einen festsitzenden Zahnersatz zu integrieren, wo sonst nur ein herausnehmbarer Zahnersatz (Prothese) möglich wäre.
Implantate ersetzen fehlende Zähne und verleihen dem notwendigen Zahnersatz einen festen Halt.
3. Was spricht gegen eine Implantatbehandlung?
Nicht immer ist eine Implantatbehandlung möglich.
Voraussetzung ist immer eine ausreichende Dicke des
vorhandenen Kieferknochens. Auch einige Erkrankungen
können eine Behandlung mit Implantaten ausschließen.
Dazu gehört eine unbehandelte Parodontitis (entzündlicher
Abbau des Zahnhalteapparates) und ein unbehandelter
oder schlecht eingestellter Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit).
Eine Behandlung verbietet sich auch bei
bestimmten Knochenleiden, Störungen der Blutgerinnung
und Wundheilung, Immunschwäche, schwerwiegenden
Allgemeinerkrankungen und Drogen- oder Medikamentenmissbrauch
und manchmal auch bei psychischen Erkrankungen.
Gegen eine Implantatbehandlung spricht auch das Rauchen.
Bei Rauchern heilen Implantate schlechter ein und
lockern sich auch häufiger als bei Nichtrauchern. Entscheidend
für den Behandlungserfolg ist außerdem eine sehr
gute Mundhygiene. Dabei kommt es darauf an, dass Sie
die Zähne und die Implantate regelmäßig und vor allem
gründlich reinigen. Schlechte Mundhygiene spricht daher
ebenfalls gegen eine Implantatbehandlung.
Neben bestimmten Krankheiten gefährden das
Rauchen und eine schlechte Mundhygiene den
Erhalt eines Implantats und sprechen daher gegen
eine Implantatbehandlung.
4. Welche Vorbehandlungen sind vor einer Implantattherapie notwendig?
Voraussetzung für eine erfolgreiche Behandlung mit Implantaten
ist eine gute Mundhygiene. Ihr Praxisteam zeigt
Ihnen, wie Sie Ihre Mundhygiene optimieren. Bestehende
Entzündungen, z. B. Gingivitis (Zahnfleischentzündung) oder Parodontitis, müssen vor der Implantation fachgerecht
durch den Zahnarzt behandelt werden. Die Kariestherapie sollte abgeschlossen sein. Ein Diabetes muss behandelt
und gut eingestellt sein.
Wenn Sie das Rauchen jetzt aufgeben, leisten Sie einen
wichtigen zusätzlichen Beitrag für den Erfolg der Therapie.
Mitunter macht ein unzureichendes Knochenangebot zunächst
eine Vorbehandlung notwendig, bei der der Knochen
aufgebaut („augmentiert“) wird.
Vor der Implantattherapie sollte die Mundhygiene
optimiert und das Rauchen möglichst aufgegeben
werden. Gingivitis und Parodontitis sowie Diabetes
müssen zunächst behandelt werden.
5. Wie wird ein Implantat gesetzt?
Die Schleimhaut über dem Kieferknochen wird zunächst
mit einem kleinen Schnitt eröffnet. Dann wird mit einem
Bohrer das Implantatbett geschaffen. Danach wird das
Implantat im Implantatbett fest verankert. Zum Abschluss
wird die Schleimhaut mit einer Naht wieder verschlossen.
Grundsätzlich werden einphasige von zweiphasigen Implantatsystemen
unterschieden.Das „einphasige Implantat“ ragt von Anfang an in die Mundhöhle hinein. Das „zweiphasige Implantat“ ist in der Einheilungsphase vollständig von Zahnfleisch bedeckt.
Nach der Einheilung wird es durch einen kleinen chirurgischen
Eingriff freigelegt. Dann kann die Krone oder der Zahnersatz befestigt werden.
Welches Implantatsystem für Sie in Frage kommt, wird Ihr
Zahnarzt oder Ihre Zahnärztin gemeinsam mit Ihnen entscheiden.
Das Setzen eines Implantats erfordert einen kleinen
chirurgischen Eingriff, bei dem das Implantat fest im
Knochen verankert wird.
6. Was kann ich tun, damit ein Implantat möglichst lange hält?
Zahnimplantate werden bereits seit 40 Jahren erfolgreich
eingesetzt. Studien zeigen, dass 95 von 100 Implantaten weit länger als fünf Jahre halten. Damit
das auch für Sie gilt, sollten Sie Folgendes beherzigen:
Das Rauchen ist einer der wichtigsten Risikofaktoren
für Implantatverlust. Sie sollten es daher möglichst
aufgeben.
In allen Phasen der Behandlung ist außerdem eine
gründliche Reinigung und Pflege des Implantats besonders
wichtig. Ihr eigener täglicher Einsatz bei der Mundhygiene ist für Ihre Implantate also überlebenswichtig!
Genauso wichtig ist allerdings der regelmäßige Kontrollbesuch in der Zahnarztpraxis, das sog. Recall.
Wie oft Sie kommen, entscheiden Sie gemeinsam mit
Ihrem Praxisteam. Üblich sind Abstände von 3 bis 6
Monaten. Bei diesen Besuchen werden Implantate,
Zähne und Zahnfleisch kontrolliert und professionell
gereinigt. Dabei werden insbesondere auch Bereiche
gereinigt, die Sie zu Hause nicht erreichen können.
Die professionelle Implantatreinigung ist aufwändiger
und dauert daher auch länger als die Reinigung
von Zähnen.
Sehr gute Mundhygiene, das Aufgeben des
Rauchens und regelmäßige Kontrollbesuche
in der Zahnarztpraxis tragen dazu bei, dass Ihr
Implantat lange hält.
7. Wie reinige ich meine Implantate?
Wichtig ist, dass Sie alle Beläge täglich vollständig entfernen.Neben der zweimal täglichen gründlichen Reinigung der Zähne und des Mundraumes müssen Sie einmal täglich alle Implantatoberflächen und Zahnzwischenräume gründlich reinigen. Dabei ändert sich während der Behandlung die Art, wie Sie Ihre Implantate am besten reinigen. Fragen Sie hierzu immer auch Ihren Zahnarzt.
Das gleiche gilt auch direkt nach der Freilegung. Manchmal kann jetzt aber schon zusätzlich eine extra weiche Zahnbürste verwendet werden.
Spätestens mit der Eingliederung des Zahnersatzes beginnt die Reinigung mit Bürste und Zahnpasta, die möglichst antibakterielle Wirkstoffe enthalten sollte. Gut geeignet sind meist weiche Bürsten.
Bürsten Sie die Zähne gründlich. Lassen Sie sich in Ihrer Praxis zeigen, wie Sie mit der Zahnbürste am besten bakterielle Zahnbeläge entfernen können.
Die Zahnbürste erreicht allerdings nicht Zahnzwischenräume
und Nischen. Damit auch dort keine Bakterienbeläge
entstehen, reinigen Sie diese mit speziellen Zwischenraumbürstchen (sog. Interdentalbürstchen) und
mit Zahnseide. Lassen Sie sich auch hier zeigen, wie Sie
am besten vorgehen und welche Produkte am besten für
Sie geeignet sind. Für Stegverbindungen verwenden Sie Floss-Zahnseide und ebenfalls Zwischenraumbürstchen.
Wichtig ist, dass Sie auch schon bei alle Implantatteile sorgfältig reinigen.Den herausnehmbaren Zahnersatz selbst reinigen Sie mit einer
speziellen Prothesenbürste größerer Härte.
Auch nach der Eingliederung des endgültigen Zahnersatzes bleibt es dabei: Für eine gründliche Reinigung
benötigen Sie Zahnbürste und Zahnpasta, Zwischenraumbürstchen
und Zahnseide. Fragen Sie in Ihrer Praxis, ob
Sie genauso weiter arbeiten sollen wie beim provisorischen
Ersatz oder ob es jetzt noch neue Pflegehinweise gibt.
Wichtig ist, dass Sie täglich alle Beläge auf den Zähnen,
den Kronen, dem Zahnersatz, den Implantatoberflächen
und in den Zahnzwischenräumen entfernen. Nach der
Einheilung verwenden Sie dazu Zahnbürste und Zahnpasta,
Zahnzwischenraumbürstchen und Zahnseide.
8. Warum ist gute Mundhygiene so wichtig?
Unzureichende Mundhygiene kann zu Implantatverlust führen. In der gesunden Mundhöhle kommen über 700
verschiedene Bakterienarten vor, von denen die meisten
harmlos sind. Manche dieser Bakterien lagern sich auf
den Zähnen oder den Implantaten an. Werden sie dort
regelmäßig entfernt, bleiben sie harmlos.
Bei unzureichender Mundhygiene wird die Implantatoberfläche
allerdings dauerhaft mit Bakterien besiedelt. Eine
schlechte Abwehrlage begünstigt außerdem ihr Wachstum.
Diese Bakterien können jetzt eine Entzündung auslösen.
Zunächst entsteht nur eine Mukositis, eine Entzündung
der Schleimhaut, die das Implantat umgibt. Jetzt ist
Vorsicht geboten, denn diese Mukositis kann die Vorstufe
zu einer sog. Periimplantitis sein.
Die Periimplantitis (Entzündung mit Knochenverlust um
das Implantat) ist vergleichbar mit einer Parodontitis.
Beide Erkrankungen werden von denselben Bakterien
ausgelöst. Dadurch wird eine nichtbehandelte Parodontitis
auch zur Gefahr für ein Implantat. Bei der Periimplantitis
kommt es genauso wie bei der Parodontitis zu einem Abbau des Kieferknochens. Dadurch verliert das Implantat
seine Verankerung und lockert sich. Tatsächlich ist die Periimplantitis die häufigste Ursache für einen Implantatverlust.
Durch gute Mundhygiene beugen Sie der Entstehung
einer Periimplantitis vor. Die Periimplantitis ist die häufigste
Ursache für einen Implantatverlust.
9. Woran erkenne ich Mukositis und Periimplantitis?
Vorsicht: Mukositis und Periimplantitis können sich entwickeln, ohne dass Sie deutliche Zeichen davon wahrnehmen.
Auch deswegen sind regelmäßige Kontrollbesuche
beim Zahnarzt so wichtig. Mukositis und Periimplantitis sind meist schmerzfrei und werden daher von den Patienten oft übersehen. Wichtigstes Alarmzeichen ist eine erhöhte Blutungsneigung des Zahnfleisches. Allerdings ist auch die für Sie selbst nur schwer erkennbar.
Am ehesten bemerken Sie diese beim
Zähneputzen, wenn beim Ausspülen oder bei der Arbeit
mit der Zahnzwischenraumbürste oder mit der Zahnseide
ein bisschen Blut zu sehen ist.
In der Einheilungsphase ist das zunächst ganz normal.
Durch sehr gute Mundhygiene, auch trotz der Blutung, tragen
Sie dazu bei, dass sich das Gewebe schnell beruhigt.
Haben Sie Ihre Implantate schon länger und stellen eine
Blutungsneigung fest, so kann das auf eine Mukositis oder
Periimplantitis hinweisen.
Mögliche weitere Zeichen einer
Entzündung sind neben der erwähnten Blutungsneigung auch eine Schwellung der Schleimhaut sowie Mundgeruch oder ein schlechter Geschmack im Mund. Ein Zahnarztbesuch
wird auch dann notwendig, wenn Sie eine Lockerung Ihres Zahnersatzes oder Implantats bemerken.
Regelmäßige Kontrollen durch Ihren Zahnarzt und professionelle
Zahn-/Implantatreinigungen tragen zur Früherkennung bei und können eine Periimplantitis verhindern.
Nehmen Sie daher unbedingt die Kontrolltermine (Recall) wahr und suchen Sie Ihre Praxis auch zwischen den
Terminen auf, wenn Sie Entzündungszeichen feststellen.
Mukositis und Periimplantitis sind für Sie kaum erkennbar.
Deswegen sind regelmäßige Kontrollbesuche in
der Praxis wichtig. Beim Verdacht auf eine Entzündung
sollten Sie diese möglichst bald aufsuchen.
10. Wie werden Mukositis und Periimplantitis behandelt?
Die professionelle Entfernung der bakteriellen Beläge auf der Implantatoberfläche ist die Grundlage einer jeden
Behandlung. Möglicherweise sollten Sie antibakterielle Mundspülungen oder Gelees verwenden. Manchmal wird
Ihnen auch ein Antibiotikum verschrieben.
In weiter fortgeschrittenen Stadien kann ein kleiner
chirurgischer
Eingriff notwendig werden. Manchmal ist
auch die Entfernung des Implantats notwendig. Grundsätzlich
gilt: je früher eine Entzündung festgestellt wird,
je besser und erfolgreicher kann sie behandelt werden.
Nehmen Sie auch deswegen die Kontrolltermine in Ihrer
Praxis unbedingt wahr.
Früherkennung ist wichtig für eine erfolgreiche Therapie.
Zusätzlich zur professionellen Entfernung der
bakteriellen Beläge empfiehlt Ihre Praxis ggf. noch
antibakterielle Mundspüllösungen oder Gelees.
Text erstellt von Prof. Dr. Dr. S. Jepsen und Dr. M. Hagner, Bonn, unter Mitwirkung von Prof. Dr. R. Deinzer, Gießen, Prof. Dr. P. Eickholz, Frankfurt, und Prof. Dr. U. Schlagenhauf, Würzburg.
